Corona-Krise: Bye-bye, Kandidatenmarkt?

Die PRCC Personalberatung hat Führungskräfte zu ihrer Situation in der Corona-Krise befragt, PRCC-Geschäftsführer Philip Müller bewertet die Ergebnisse:

Die Wucht der Corona-Krise lässt einen staunen und erschaudern, auch was die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt für Kommunikatoren und Marketeers angeht: Eben noch gaben gute Arbeitnehmer hier den Ton an, die Unternehmen mussten um sie buhlen. Das hat sich schlagartig geändert – zumindest vorerst.

Das Bemerkenswerte: Die meisten Menschen würden auch in der Krise den Job wechseln, das besagt zumindest unsere (nicht-repräsentative) Blitzumfrage unter 40 Führungskräften.
Das gefühlt Widersprüchliche: Es gibt ihn in vielen Unternehmen (noch), den entsprechenden Bedarf an Kommunikatoren und Marketeers – nur kann oder darf dort aktuell nicht eingestellt werden.
Das zu Befürchtende: Der Hiring Freeze könnte anhalten, für viele Unternehmen von der Präventions- zur Rettungsmaßnahme werden, bei dem einen oder anderen Unternehmen ist das bereits der Fall. Selbst Unternehmen, die eben noch vor Kraft kaum laufen konnten und händeringend nach Mitarbeiter*innen gesucht haben, könnten dann ins Schlingern geraten – und Personal abbauen müssen.

Aus einem Kandidatenmarkt würde dann wieder ein Arbeitgebermarkt, das Kräfteverhältnis hätte sich umgekehrt. Doch noch ist es nicht so weit. Noch befinden wir uns in einer Art Zwangspause – mit unbekanntem Ausgang.

Ein gewisser Optimismus trotz ungewisser Zukunft
Keiner kann konkret sagen, welches Ausmaß die Krise noch annehmen und wie lange sie anhalten wird. Wir haben die Teilnehmer*innen unserer Umfrage in einem Kommentarfeld nach ihrer Einschätzung gefragt. Wertet man die Tonalität der Antworten aus, erhält man ein gleichmäßig gemischtes Bild: Ein Drittel ist eher optimistisch gestimmt, ein Drittel eher neutral, das dritte Drittel eher pessimistisch. Einig ist man sich darin, dass die Krise morgen nicht vorbei sein wird: „Ich vermute und fürchte, dass wir von Monaten, nicht Wochen sprechen. Wirtschaftliche Folgen sicher ähnlich wie nach der Finanzkrise“, schreibt einer der Befragten.

Einige Teilnehmer*innen sehen in der Krise durchaus eine Chance…

  • für die Reputation der Profession: „Derzeit gilt: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Es ist für viele Kommunikatoren eine großartige Chance, dem Unternehmen endlich zu beweisen, dass Kommunikation ein strategischer Teil der Unternehmensführung ist, falls das bisher nicht gelungen ist.“
  • für Nachhaltigkeit und CSR: „Der – voraussichtlich sukzessive – Neustart der wirtschaftlichen Aktivitäten wird ab dem späten Frühjahr mit einem erhöhten Bedarf an Vertrauensaufbau in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einhergehen und die bereits zuvor im Fokus stehenden Themen Nachhaltigkeit sowie gesellschaftlicher Beitrag der Unternehmen eine weiterhin hohe oder sogar noch höhere Relevanz haben.“
  • für Remote Work: “Für Unternehmenskommunikations-Teams, die bereits jetzt schlank und fokussiert aufgestellt sind, werden die Rahmenbedingungen günstig wirken. […] Die Erfahrungen aus der Krise (in Bezug auf Remote-Arbeiten, neue digitale Kommunikationsformen und -medien) werden einen positiven katalytischen Impact auf die Weiterentwicklung der Unternehmenskommunikation haben.“

Bei allen Entbehrungen und bei aller Ungewissheit legt die Umfrage eines nahe: In einer Sinnkrise scheinen sich die allermeisten Kommunikatoren (bisher) nicht zu befinden. Und das ist doch eine gute Nachricht, finde ich.

Lesen Sie hier den Artikel zu den Umfrage-Ergebnissen.

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